
Der Logistik-Benchmark 2025 hat im Dezember 54 Logistikunternehmen nach 120 Kriterien geprüft. 55 Prozent bieten ein Kundenportal, 20 Prozent eines mit echtem Funktionsnutzen. Die Zahl beschreibt Portale, aber sie gilt genauso für KI-Lösungen: Viele haben eine, wenige eine, die im Betrieb etwas tut.
Hier sind die sieben Fragen, die wir einer Lösung stellen würden, bevor sie in Disposition, Lager oder Abrechnung darf. Mit den Antworten, die wir selbst geben, und den Stellen, an denen die Antwort unbequem ist.
Eine Lösung, die im Betrieb läuft, muss sagen können, was sie heute getan hat. Gelesen, geprüft, gebucht, geklärt, je Lauf und je Vorgang. Nicht als Dashboard mit Kurven, sondern als Tabelle, die ein Disponent lesen kann.
Unsere Antwort: Jeder Lauf schreibt einen Eintrag mit Zahlen und Fehlertexten. Bei einem Portal-Agenten sind das seit acht Wochen 39 Zeilen. Aus ihnen hat der Kunde gelernt, dass mittwochs die Korrekturen kommen.
Unbequem: Ein Protokoll zeigt auch, wenn der Dienst nichts getan hat. Das ist der Sinn.
Die entscheidende Frage. Eine Lösung, die im Zweifel bucht, ist gefährlich. Eine, die im Zweifel abbricht, ist nutzlos. Die richtige Antwort ist eine Klärliste: der Fall, der Grund, der Vorschlag, und ein Mensch entscheidet.
Unsere Antwort: Bei der Bestellerfassung eines Großhändlers landen 20 Prozent der Bestellungen in der Klärliste. PDF und Vorschlag stehen nebeneinander. Die Sachbearbeiterin entscheidet mit einem Klick, und der Dienst lernt daraus nichts von allein. Das ist Absicht.
„Läuft" ist kein Beweis. Ein Dienst kann jeden Morgen starten, an einem still ausgefallenen Vorschritt hängen bleiben und ohne Ergebnis enden, wochenlang. Die Frage ist, ob ein Alarm am Ergebnis hängt.
Unsere Antwort: Der Wächter zählt Buchungen, Meldungen, Bestätigungen. Bleibt die Zahl an einem Werktag bei null, obwohl Eingang da war, geht ein Alarm an uns und an den Kunden. Wir haben das gelernt, als ein Dienst eine Woche lang lief und nichts lieferte.
Kundenportale, Slot-Buchungen, Telematik-Oberflächen. Die Antwort „dann brauchen wir eine API" bedeutet in der Praxis: kein Projekt. Die Frage ist, ob die Lösung die Oberfläche bedienen kann wie ein Mitarbeiter, und ob sie das protokolliert.
Unsere Antwort: Schnittstelle, wenn es eine gibt. Oberfläche, wenn nicht, mit Protokoll je Klick. Und der Umstieg auf die Schnittstelle, sobald sie kommt, ohne dass die Disposition etwas merkt.
Auftragsdaten, Kundenstämme, Positionen der Fahrzeuge. Eine Lösung, die das auf einen Server außerhalb Europas schickt, ist für viele Kunden der Spedition ein Vertragsproblem. Lange bevor sie ein Technikproblem ist.
Unsere Antwort: Die Daten bleiben in den Systemen des Kunden. Zwischenspeicher liegen in Rechenzentren in Finnland und der EU. Das Sprachmodell bekommt nur das, was es zum Lesen braucht, und behält nichts.
Eine Lösung, die nur der Anbieter versteht, ist eine Abhängigkeit. Die Frage ist, ob der Kunde den Dienst übernehmen könnte. Liegt der Code bei ihm? Ist er dokumentiert? Sind die Bausteine austauschbar?
Unsere Antwort: Jeder Prozess ist ein kleines, getestetes Programm mit Protokoll, kein Klick-Workflow in einem fremden Konto. Die Bausteine dahinter sind austauschbar, und der Kunde bekommt eine Übergabe, mit der seine IT den Dienst weiterbetreiben kann. Ob sie das will, ist eine andere Frage, aber sie soll es können.
Nicht je Lizenz, je Nutzer oder je Monat, sondern je Prozess. Und dagegen die Handarbeit mit dem vollen Stundensatz, den Destatis für 2025 mit 45 Euro je Stunde im Schnitt angibt.
Unsere Antwort: Zwei bis vier Wochen Aufbau je Prozess, Break-even bei richtig gewählten Prozessen in ein bis drei Monaten. Und die Antwort „das rechnet sich bei Ihnen nicht", wenn die Handarbeit unter 5.000 Euro im Jahr liegt. Die geben wir in jedem dritten Erstgespräch.
Sie prüft nicht, ob das Modell dahinter das neueste ist. Das ist die Frage, die Anbieter gern beantworten, und sie ist für den Betrieb fast egal. Ein zwei Jahre altes Modell mit Protokoll, Klärliste und Alarm schlägt das neueste ohne die drei.
Ein Vorbehalt: Die sieben Fragen stammen aus unserer Arbeit mit Speditionen und Lagerbetrieben von 20 bis 500 Mitarbeitern. Für einen Konzern mit eigener Plattform-Strategie kommen Fragen zu Integration und Betriebsmodell dazu, die hier fehlen.
Welches Angebot liegt gerade auf Ihrem Tisch? Schicken Sie mir die sieben Antworten des Anbieters, oder die Stellen, an denen keine steht. Ich sage Ihnen, welche davon im Betrieb wehtun. Prozess-Check anfragen, 30 Minuten, ohne Verkaufsgespräch.