
Ich habe in den letzten Wochen drei Artikel mit dem Titel „Die besten KI-Tools für Unternehmen" gelesen. Alle drei hatten Affiliate-Links, und keiner hätte einem Disponenten geholfen, der morgen ein Kundenportal automatisieren will. Deshalb hier kein Ranking, sondern der Werkzeugkasten hinter einem Agenten, der genau das tut. Sechs Bausteine, was jeder davon im Betrieb leistet und was passiert, wenn er fehlt.
Das Beispiel ist ein Agent, der bei einem Kontraktlogistiker das Kundenportal bedient: anmelden, Aufträge prüfen, bestätigen, Mengenänderungen übernehmen. Seit acht Wochen, 39 Läufe, zwischen 900 und 5.300 Aufträge je Lauf.
Das Portal hat keine Schnittstelle. Also braucht der Agent das, was der Disponent hat: einen Browser. Eine Browser-Automatisierung öffnet das Portal, meldet sich an, klickt durch die Liste und liest die Felder. Das ist klassische Technik, kein Sprachmodell, und das ist gut so: Sie macht bei derselben Seite immer dasselbe.
Was passiert, wenn sie fehlt: Es gibt keinen Agenten. Ohne diesen Baustein bleibt nur die Schnittstelle, die der Kunde seit zwei Jahren ankündigt.
Was sie nicht kann: mit Änderungen umgehen. Ändert das Portal sein Anmeldeformular oder bricht die Sitzung ab, bleibt die Automatisierung stehen. Bei unserem Agenten endeten vier von 39 Läufen mit der Meldung, dass Seite oder Browser geschlossen wurden. Dafür gibt es Baustein 2 und 5.
Das Modell liest, was die Automatisierung nicht versteht. Eine Meldung, die nicht im Skript steht, etwa „Dieser Auftrag wurde vom Kunden storniert". Ein Auftrag mit Freitext im Mengenfeld. Eine PDF-Anlage am Auftrag. Es ordnet ein und schlägt vor. Es klickt nicht.
Was passiert, wenn es fehlt: Jede unbekannte Meldung ist ein Abbruch. Mit Modell wird sie ein Eintrag in der Klärliste mit Grund.
Was es nicht darf: buchen. Ein Sprachmodell antwortet auf dieselbe Eingabe nicht immer gleich. Für das Lesen ist das brauchbar, für das Bestätigen von 5.000 Aufträgen nicht. Das Bestätigen macht Baustein 1 nach Regeln, die Baustein 3 kennt.
Jeder Auftrag, den der Agent sieht, landet mit Zeitstempel, Status und Quelle in einer Datenbank. Dazu die Regeln: welcher Kunde welche Toleranz bei Mengenänderungen hat, welche Aufträge nie automatisch bestätigt werden. Und der Abgleich mit dem TMS: Gibt es den Auftrag dort, passt die Menge?
Was passiert, wenn sie fehlt: Der Agent hat kein Gedächtnis. Er bestätigt am Mittwoch, was er am Dienstag schon bestätigt hat, und niemand kann nachvollziehen, warum.
Jeder Lauf schreibt einen Eintrag: Start, Ende, geprüfte Aufträge, bestätigte, geänderte, Klärfälle, Fehler mit Text. Das ist eine Tabelle, kein Dashboard, und sie ist der Teil, den der Kunde am häufigsten liest.
Was das Protokoll dem Kunden gezeigt hat: Mittwoch ist Korrekturtag. Die Zahl der Mengenänderungen springt an diesem Tag auf bis zu 1.600, an anderen Tagen sind es unter 100. Das wusste in der Disposition niemand, weil vorher niemand gezählt hat. (Der interessante Teil eines Agenten ist selten der Agent. Es ist die Tabelle.)
Ein Dienst, der prüft, ob der Agent geliefert hat. Nicht, ob er gelaufen ist. Bleibt an einem Werktag die Zahl der bestätigten Aufträge bei null, obwohl das Portal offene Aufträge hatte, geht ein Alarm raus. An uns und an den Kunden. Läuft der Agent viermal hintereinander auf denselben Fehler, stoppt er sich selbst, statt das Portal mit Anmeldeversuchen zu belegen.
Was passiert, wenn er fehlt: Der Agent steht still und niemand merkt es. Wir hatten das bei einem anderen Prozess: eine Woche lang lief er, ohne zu liefern, weil ein Vorschritt still stand. Seitdem zählt der Wächter Ergebnisse.
Unspektakulär, aber ohne geht es nicht. Anmeldecodes des Portals kommen per Mail. Klärfälle gehen als Mail an die Disposition. Der Wochenbericht geht als Mail an die Geschäftsführung. Der Agent braucht ein eigenes Postfach, das er lesen und aus dem er senden darf, mit Absender des Kunden, nicht mit unserem.
Was passiert, wenn es fehlt: Der Anmeldecode landet bei einem Disponenten, der gerade Urlaub hat.
Kein Tool-Name mit Sternebewertung. Welche Browser-Automatisierung, welches Modell, welche Datenbank wir nehmen, hängt vom Kunden ab. Was läuft dort schon? Wo dürfen Daten liegen? Wer betreibt es in zwei Jahren? Die sechs Bausteine bleiben gleich. Die Marken dahinter sind austauschbar, und das ist Absicht, weil der Kunde den Agenten übernehmen können muss.
Ein Vorbehalt: Das ist der Werkzeugkasten für Portal- und Dokumentenprozesse mit ein bis vier Läufen am Tag. Für Tourenplanung in Echtzeit oder Telematikströme im Sekundentakt kommen Bausteine dazu, die hier nicht stehen.
Welches Portal öffnet Ihre Disposition jeden Morgen von Hand? Nennen Sie mir den Namen. Ich sage Ihnen, welche der sechs Bausteine dort schwer werden, und zeige das Protokoll eines Laufs. Prozess-Check anfragen, 30 Minuten, ohne Verkaufsgespräch.