Lagerautomatisierung im Mittelstand heißt nicht neues WMS. Es heißt: drei Übergaben automatisieren.

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Bodo Buschick
14/9/26
•
4 Min
Lagerautomatisierung im Mittelstand heißt nicht neues WMS. Es heißt: drei Übergaben automatisieren.

Lagerautomatisierung im Mittelstand heißt nicht neues WMS. Das ist die Position dieses Beitrags. Ich vertrete sie seit dem dritten Angebot für ein SAP Extended Warehouse Management, das ich bei einem Lagerleiter gesehen habe. Sein Team: 30 Leute. Zwölf bis achtzehn Monate, Budget sechsstellig. Davor eine Anforderungsanalyse, und die ergibt den Umbau der IT-Landschaft. Das Projekt wird verschoben. Die Picklisten werden weiter ausgedruckt.

Warum alle an das WMS denken

Das Bild vom Lager ist das Bild vom System. Wer Fehler im Lager hat, sucht die Ursache im WMS, und die Anbieter helfen bei der Suche. Dazu kommt, dass die Beraterlogik ein Großprojekt braucht, um sich zu rechnen.

Der Alltag sieht anders aus. Bitkom hat 2024 1.103 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern befragt. 38 Prozent wickeln etwa die Hälfte ihrer Büroprozesse auf Papier ab. 30 Prozent nutzen regelmäßig Fax. Im Lager landet das Papier an den Übergaben. Der Fahrer meldet sich am Tor. Die Bestellung kommt als PDF. Die Pickliste geht als Ausdruck in die Halle. Kein WMS-Wechsel ändert etwas daran, denn die Übergabe passiert vor oder nach dem System.

Die drei Übergaben, an denen die Handarbeit sitzt

Wir haben in den letzten Monaten drei dieser Übergaben automatisiert. Drei Betriebe, kein System getauscht. Ich nenne sie Übergabe 1 bis 3, weil sie in fast jedem Lager gleich heißen.

Übergabe 1: die Ankunft am Hof

Eine Spedition mit eigenem Umschlagplatz. Morgens zwischen sechs und acht kommen 15 bis 20 Fahrzeuge fast gleichzeitig. Jeder Fahrer meldete sich telefonisch. Die Disposition kam nicht hinterher. An der Rampe standen Lkw, deren Ankunft noch niemand im System eingetragen hatte.

Der Dienst liest die Telematik und legt um den Hof einen Geofence von 500 Metern. Fährt ein Fahrzeug hinein und bleibt länger als 90 Sekunden, gilt es als angekommen. (Ohne die 90 Sekunden zählt jeder Lkw, der vorbeifährt.) Der Dienst ordnet die Ankunft der Tour zu. Dann meldet er sie an Disposition und Rampe.

Die Falle war die Zuordnung. Die Telematik kennt Fahrzeuge, keine Aufträge. Eine Tabelle Fahrzeug zu Tour, die der Disponent morgens in zwei Minuten pflegt, hat das gelöst. Die zweite Falle: Die Schnittstelle lieferte gelegentlich eine leere Antwort statt eines Fehlers. Der Dienst las das als „kein Fahrzeug da". Seitdem gilt eine leere Antwort als Störung und löst einen Alarm aus. Aufbau: zwei Wochen, keine neue Lizenz.

Übergabe 2: der Auftrag ins System

Ein Großhändler, 50 Bestellungen am Tag als PDF, acht Formate, dreieinhalb Stunden Abtippen. Heute liest ein Dienst das Postfach und erkennt das Format am Absender. Er prüft jede Position gegen den Artikelstamm. Dann legt er die Bestellung im Warenwirtschaftssystem an. Unklare Fälle landen in einer Klärliste mit PDF und Vorschlag nebeneinander. Nach drei Monaten: unter einer Stunde am Tag, Fehlerquote unter einem Prozent. Die ganze Geschichte steht in der Case Study zur Bestellerfassung.

Die Lehre für das Lager: Die Prüfung gegen den Stamm ist der eigentliche Wert, nicht die Texterkennung. Eine falsche Artikelnummer, die sauber erkannt wurde, ist immer noch eine falsche Artikelnummer.

Übergabe 3: der Plan ins TMS

Eine Spedition hielt ihren Dispoplan als Excel im SharePoint. Das TMS brauchte dieselben Daten trotzdem. Also wurden sie abgetippt, und doppelte Einträge waren die Folge. Heute liest ein Import die Datei nach jeder Änderung, gleicht sie gegen die Aufträge im TMS ab und bucht nur, was neu oder geändert ist. Eine Quelle, zwei Systeme, null doppelte Einträge.

Technisch ist das der langweiligste der drei Dienste, und genau deshalb lief er nach einer Woche. Excel bleibt das Werkzeug der Disposition. Das TMS bleibt das System der Wahrheit. Der Import ist die Brücke, und er schreibt ein Protokoll, welche Zeile er wann gebucht hat.

Was die drei gemeinsam haben

  • Kein System wurde ersetzt. Telematik, Warenwirtschaft und TMS blieben, wie sie waren.
  • Jeder Dienst hat eine Schwelle, ab der ein Mensch entscheidet. Beim Hof die Verweildauer, bei der Bestellung die Klärliste, beim Plan der Änderungsabgleich.
  • Jeder Dienst schreibt ein Protokoll je Lauf, und der Alarm hängt am Ergebnis, nicht am Lauf. Ein Dienst, der läuft und nichts bucht, ist ein Ausfall.
  • Aufbau zwei bis vier Wochen, keine neuen Lizenzen. Der teuerste Posten war die Zeit, in der der Kunde uns Zugänge besorgt hat.

Wo das WMS-Projekt trotzdem richtig ist

Ehrlicherweise gibt es die Fälle. Mehrere Standorte, chaotische Lagerhaltung, Chargenpflicht, Inventurvorgaben: Wer das führt, braucht ein System dafür. Ein Excel-Import ersetzt kein Lagerortmanagement. Unsere drei Betriebe hatten 20 bis 60 Fahrzeuge und ein bis zwei Läger. Ob die Regel oberhalb davon hält, kann ich aus eigenen Daten nicht sagen.

Der Punkt bleibt: Auch mit neuem WMS kommen Fahrer am Tor an, Bestellungen als PDF und Pläne aus Excel. Die drei Übergaben stehen davor. Wer sie zuerst automatisiert, hat es beim WMS-Projekt später leichter. Die Daten kommen dann schon sauber an.

Welche der drei Übergaben kostet Ihr Lager die meisten Minuten am Tag? Nennen Sie mir die eine. Ich zeige Ihnen an unserem Beispiel das Protokoll des Dienstes, der sie übernimmt. Prozess-Check anfragen, 30 Minuten, ohne Verkaufsgespräch.