Was ein manueller Prozess in der Spedition wirklich kostet, und wann Automatisierung sich nicht rechnet

By
Bodo Buschick
14/9/26
•
4 Min
Was ein manueller Prozess in der Spedition wirklich kostet, und wann Automatisierung sich nicht rechnet

Ein Geschäftsführer hat mir letzten Monat seine Rechnung geschickt. Nicht für unsere Leistung. Seine eigene Kalkulation, was ihn die Handarbeit vorher gekostet hat. Ein Mitarbeiter, der täglich drei bis vier Stunden Daten zwischen drei Systemen hin- und herkopiert hat. Er hatte mit 25 Euro die Stunde gerechnet. Der richtige Wert lag beim Doppelten. Damit kippt jede Amortisationsrechnung, in beide Richtungen.

Das ist die These dieses Beitrags. Jede Automatisierung, die sich nicht in drei Monaten rechnet, ist die falsche. Und die meisten Betriebe wissen nicht, ob sie sich rechnet, weil die erste Zahl falsch ist.

Die erste Zahl: der volle Stundensatz

Nach Destatis kostete eine Arbeitsstunde in Deutschland 2025 im Schnitt 45,00 Euro, 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Abschnitt Verkehr und Lagerei liegt der Wert mit 35,80 Euro darunter. Das sind Arbeitgeberkosten je geleisteter Stunde, also Brutto plus Sozialabgaben plus bezahlte Abwesenheit. Bürofläche, IT-Arbeitsplatz und die Zeit der Führungskraft kommen noch dazu.

Wer mit dem Bruttostundenlohn rechnet, halbiert die Handarbeit auf dem Papier. Wer mit 36 bis 45 Euro rechnet, ist bei der Disposition nah dran. Für einen Disponenten mit 3.500 Euro brutto landet man je nach Region bei 42 bis 55 Euro. (Kommt Ihnen das hoch vor? Rechnen Sie Urlaubs- und Krankheitstage auf die geleisteten Stunden um.)

Die Rechnung, die wir vor jedem Projekt machen

Drei Größen, multipliziert: Wie oft am Tag, wie lange je Vorgang, voller Stundensatz. Das ergibt die jährlichen Kosten der Handarbeit. Dagegen stehen Aufbau und Betrieb des Dienstes.

Drei Rechenbeispiele, zwei aus Projekten, eines als Musterrechnung, alle gerundet:

Ankunftsmeldung, Spedition mit 40 Lkw. Drei bis fünf Anrufe je Disponent und Tag, mit Rückrufen rund 45 Minuten, zwei Disponenten. Anderthalb Stunden am Tag mal 45 Euro mal 250 Tage: rund 17.000 Euro im Jahr. Aufbau des Dienstes: drei Wochen. Amortisation im zweiten Monat.

Bestellerfassung, Großhändler. Dreieinhalb Stunden am Tag, eine Person, dazu zwei bis vier Fehlbestellungen am Tag mit je 20 Minuten Nacharbeit. Rund 40.000 Euro im Jahr, ohne die Kundenseite der Fehler. Aufbau: zwei Wochen. Amortisation im ersten Monat.

Portalbestätigung, Musterrechnung. Angenommen 40 Bestätigungen am Tag, vier Minuten je Stück, eine Person: knapp drei Stunden. Rund 30.000 Euro im Jahr. Aufbau: drei Wochen. Amortisation im zweiten Monat.

Das Muster: Bei richtig gewählten Prozessen liegt der Break-even zwischen einem und drei Monaten. Die Betriebsgröße spielt dabei kaum eine Rolle. Nach zwei Jahren steht ein Nettoeffekt im hohen fünfstelligen Bereich je Prozess. Das ist kein Ausreißer, das ist der Normalfall, wenn der richtige Prozess dran ist.

Die Kosten, die in der schönen Rechnung fehlen

Die meisten Anbieter zeigen Aufbau gegen gesparte Stunden. Vier Posten fehlen fast immer:

  • Umstellung. Ein bis zwei Wochen laufen alter und neuer Prozess parallel. Das kostet die Zeit der Person, die den Dienst prüft.
  • Schulung. Zwei bis vier Stunden je betroffener Person, plus eine Auffrischung nach einem halben Jahr.
  • Schnittstellen. Für jedes zusätzliche System, das angebunden werden muss, rechnen wir 500 bis 1.500 Euro extra. Bei einem Portal ohne Schnittstelle kommt die Pflege der Oberflächenbedienung dazu.
  • Opportunität. Wer sechs Monate am falschen Prozess baut, verliert nicht nur das Budget. Er verliert die sechs Monate, in denen der richtige Prozess schon gelaufen wäre.

Wann es sich nicht rechnet

Drei Fälle, in denen wir abraten, und das tun wir in jedem dritten Erstgespräch:

  1. Der Prozess ändert sich alle sechs bis acht Wochen. Neue Regeln, neue Ausnahmen, neue Systeme. Die Anpassungen fressen den Ertrag. Regel: mindestens sechs Monate stabil, bevor automatisiert wird.
  2. Die Handarbeit liegt unter 5.000 Euro im Jahr. Bei einem Prozess mit drei Stunden pro Woche und 36 Euro die Stunde sind das rund 5.600 Euro. Ein Dienst mit 3.000 Euro Aufbau rechnet sich dann in acht Monaten, ein größerer nie.
  3. Ein Fehler hat rechtliche oder finanzielle Folgen ohne Prüfschritt. Dann automatisieren wir bis zur Freigabe, und den letzten Klick macht ein Mensch.

Ein Vorbehalt zu den Beispielen: Zwei stammen aus Betrieben mit 20 bis 200 Mitarbeitern, das dritte ist eine Musterrechnung mit typischen Werten. Die Stundensätze sind Durchschnitte. Die Amortisation hängt am Satz der Person, die heute die Arbeit macht. Bei einem Auszubildenden sieht die Rechnung anders aus als bei einer Disponentin mit 15 Jahren Erfahrung.

Warum der Unterschied nicht am Werkzeug liegt

Zwischen schneller und langsamer Amortisation liegt weder das Werkzeug noch das Budget. Es liegt an der Dokumentation. Ist vor dem Aufbau klar, was der Prozess tut, inklusive aller Ausnahmen, läuft das Projekt in zwei bis drei Wochen. Muss der Dienstleister den Prozess erst selbst herausfinden, dauert es sechs bis acht. Dazu gibt es einen eigenen Beitrag: Prozesse optimieren: erst zählen, dann automatisieren.

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